Sexualität vor und nach dem Coming-out

Triggerwarnung: Dieser Artikel erwähnt häufig Sexualität, sexuelle Orientierung, Geschlechtsverkehr, Genitalien, Masturbation und Pornografie sowie BDSM. Außerdem enthält der Artikel Hinweise auf internalisierte Transfeindlichkeit.

Ich finde es spannend, wie sich meine Sexualität seit meinem Coming-out als trans Frau verändert hat. Im Folgenden versuche ich es zu beschreiben, vor allem für andere trans* Personen.

Es ist schließlich oft aufschlussreich, die eigene Entwicklung mit der von anderen zu vergleichen. Vielleicht erkennt sich die eine oder andere Person darin wieder.

Vor dem Coming-out

Junge oder Mädchen?

Bei der Geburt wurde ich (entgegen der „Vorhersage“ einer Wahrsagerin, meine Mutter würde ein Mädchen zur Welt bringen) dem männlichen Geschlecht zugewiesen.

Mit etwa vier, fünf Jahren (also lange vor der Pubertät) erkannte ich aber, dass ich kein Junge, sondern ein Mädchen bin.

Ich habe das meiner Mutter erzählt, und sie brachte mich dann zu einer Psychologin, die mich wohl „heilen“ sollte (zumal mein Vater nichts davon wissen durfte). Gelernt habe ich dabei, dass mit mir angeblich etwas nicht stimmt. Dass es falsch ist, wenn ein Kind, dem das männliche Geschlecht zugewiesen worden war, denkt, es sei ein Mädchen. Dass ich das niemandem erzählen darf (hauptsächlich nicht meinem Vater). Ich sollte nie darüber reden.

Ich lernte also, als Junge zu leben, ich lernte vorzugeben, männlich zu sein. Wann immer das vermeintliche Gefühl auftauchte, ich sei ein Mädchen, habe ich mich falsch gefühlt. Mit mir stimmt etwas nicht – anders konnte ich mir das nicht erklären. Und ich konnte mit niemandem darüber reden.

Natürlich gab es auch niemanden, die oder der mir gezeigt hätte, dass es auch andere Menschen wie mich gibt. Dass ich nicht allein bin.

So begann die lange Phase, in der ich vorgab, ein Junge, ein Mann zu sein. Fünfundvierzig Jahre lang.

Die Pubertät: das Erwachen der Sexualität

Mit der Pubertät erwachte nicht mein Interesse an Sex, sondern an BDSM. Gefesselte Frauen, Frauen, die als Sklavinnen leben müssen – das beflügelte die Fantasie, als meine Sexualität zu erwachen begann.

Meine ersten Fantasien kamen aus eigentlich harmlosen Fernsehfilmen, in denen Frauen etwa in einem Harem gefangen gehalten wurden. Ich wünschte mich selbst an die Stelle dieser Frauen – und konnte nicht verstehen, warum ich mehr davon fantasierte, eine der gefangenen Frauen zu sein und nicht einer der Männer, der sie entweder gefangen hält oder heldenhaft befreit. Nein, die Männer waren für mich uninteressant, mich interessierten die Frauen. Ich wünschte mir, ich wäre eine von ihnen. Männer waren in diesen Fantasien nur Statisten.

Aus den ersten pubertären Fantasien wurde schließlich eine handfeste BDSM-Neigung. Nach außen hin übernahm ich dabei als der Mann, der ich vorgab zu sein, die dominierende Rolle. Aber in meiner Fantasie übernahm ich insgeheim die Rolle der submissiven Frau. Das durfte aber natürlich nie jemand wissen.

Meine Gedanken haben sich je länger desto mehr vor allem um BDSM gedreht. Dabei spielten Pornografie (vor allem Bilder und Geschichten) und Masturbation eine wichtige Rolle. Im Rückblick muss ich zugeben, dass ich süchtig war nach Pornografie und Masturbation noch bevor die Pubertät abgeschlossen war.

Ich glaube, es war mein Versuch, die Schrecken der Pubertät – die ungewollten Veränderungen meines Körpers hin zu einem Mann – zu verdrängen. Wahrscheinlich war es aber auch mein Versuch, diese vermeintlichen Gefühle, eine Frau zu sein, zu verdrängen. In meiner Fantasie bestrafte ich diese Frau, um sie auszutreiben. Es durfte sie nicht geben.

Sexuelle Erfahrungen

Die einzigen sexuellen Erfahrungen, die ich jemals gemacht habe, waren mit cis Frauen. Ich habe angenommen, an Frauen interessiert zu sein, also heterosexuell aus Sicht des mir bei der Geburt zugewiesenen männlichen Geschlechts zu sein.

Aber ich weiß nicht, ob ich tatsächlich sexuelles Interesse an Frauen hatte – oder diese Erfahrungen nur suchte, weil ein Mann das ja so macht. Heute denke ich, dass ich schon damals eigentlich asexuell war, kein wirkliches Interesse an sexuellen Beziehungen hatte.

Penetrierender Geschlechtsverkehr war für mich stets schmerzhaft, ich hatte darum auch nie besonders häufig Sex. Aber mir war BDSM ohnehin lieber.

Allerdings habe ich meine sadomasochistischen Neigungen vor allem mit Pornografie und Masturbation ausgelebt. Meine Fantasien habe ich nur zu einem geringen Teil in die Tat umgesetzt.

Aber egal ob in der Fantasie oder tatsächlich ausgeführt: Frauen so zu behandeln passte eigentlich nicht zu meinem Selbstverständnis. Ich habe mich dafür gehasst, weil kein Mann eine Frau so behandeln sollte. Aber ich kam nicht davon weg.

Ich habe die meiste Zeit täglich BDSM-Pornografie konsumiert und masturbiert, manchmal sogar mehr als einmal am Tag. Ich war komplett davon abhängig. Ich war süchtig. Ich war davon gefangen.

Die Bekehrung zum Christentum

1985 begann ich mich für den christlichen Glauben zu interessieren, im August 1986 habe ich mich dann entschieden, mein Leben Jesus zu übergeben, also eine klassische evangelikale Bekehrung.

Im Rückblick denke ich oft, dass ich auch deswegen zum christlichen Glauben fand und mein Leben Jesus übergeben habe, damit der Glaube mir helfen würde, freizuwerden.

Länger als vielleicht eine Woche, wenn es hochkommt zehn Tage, habe ich es nie geschafft – wobei meine Gedanken eigentlich immer um BDSM gekreist haben. Um meinen Wunsch, eine Frau zu sein.

Mit dem Glauben kam zu dem Gefühl, „falsch“ zu sein, das Gefühl hinzu, schuldig, sündig zu sein. Mich als Frau fühlen? BDSM? Pornografie? Masturbation? Das habe ich vor allem als Sünde wahrgenommen. Als etwas, das ich loswerden musste.

Und dennoch: ich kam nicht davon los. Ich habe mich als eine unfreie Person wahrgenommen, gefangen in meinen Fantasien und Wünschen, die ständig in meinem Kopf waren, Gedanken, Bilder, Vorstellungen, der Wunsch, mir diese Texte durchzulesen, diese Bilder anzuschauen, zu masturbieren.

Ich habe, ich weiß nicht wie oft, gebetet, dass Gott mich davon befreit. Ich habe versucht, nicht zu „sündigen“, der Versuchung zu widerstehen. Ich habe mich nach Heilung gesehnt, mich sogar gefragt, ob ich irgendwie besessen sein könnte? Oder war es nur eine Prüfung meines Glaubens?

Aber die Heilung blieb aus, egal wie intensiv ich darum gebetet habe.

Am Schlimmsten war für mich das vermeintliche Gefühl, eine Frau zu sein. Ich habe das für die schlimmste meiner Sünden gehalten, schlimmer noch als BDSM, Pronografie und Masturbation.

Dafür habe ich mich am meisten geschämt, schuldig gefühlt.

Mein Glaube drehte sich eigentlich nur um die Frage: Wie kann ich frei werden, geheilt werden? Für etwas anderes war kaum Platz. Der Wunsch, geheilt zu werden, hat meinen Glauben versklavt. Es war kein freier Glaube. Es ging fast nur darum, dass ich mich sündig fühlte und davon loskommen wollte. Mich nicht mehr als Frau identifizieren. Kein BDSM mehr, keine Pornografie mehr, keine Masturbation mehr. Für anderes war kaum noch Raum in meinem Glauben.

1987, kurz vor meinem 19. Geburtstag, wurde ich in einer afrodeutschen Pfingstgemeinde getauft. Mein Taufspruch war Johannes 8,32: „Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“

Ich habe damals deutlich gespürt, dass durch diesen Taufspruch Gott direkt zu mir sprach.

Ich glaubte, es hätte etwas mit meiner „Sünde“ zu tun. Ich war überzeugt, Gott würde mich eine Wahrheit erkennen lassen, und dann würde ich frei sein. Nicht mehr dieses Gefühl, ich sei eine Frau. Kein BDSM mehr. Keine Pornografie, keine Masturbation.

Doch nichts geschah. Keine Erkenntnis der Wahrheit, keine Befreiung. Hatte ich mich etwa getäuscht? Sprach der Taufspruch doch nicht in meine Situation hinein, versprach er mit keine Befreiung von meiner vermeintlichen Sünde?

Irgendwann dachte ich, ich hätte mich bezüglich der Bedeutung des Taufspruchs getäuscht. Ich begann anzunehmen, dass es um eine andere Wahrheit gehen würde. Aber immer, wenn ich dachte, ich wüsste jetzt, worum es ging, spürte ich deutlich: Nein, das ist es nicht.

Es sollte noch gut 31 Jahre dauern, bis ich die Wahrheit erkannte und frei wurde, doch dazu später.

Die, die vorgab, ein Mann zu sein, und die Frauen

Ich hatte seit der Jugend einige Beziehungen und einige Freundinnen, war einmal verlobt und habe zweimal geheiratet (die zweite Ehe besteht nach wie vor).

Keine von diesen Frauen (mit einer Ausnahme, aber da kam es nicht zu einer festen Beziehung) war selbst an BDSM interessiert – und ich glaube, ich habe diese Beziehungen gesucht, um ein „normales“ Leben ohne BDSM führen zu können.

Ich habe tatsächlich geglaubt: das wird mir helfen. Wenn ich das mit den Frauen richtig anpacke, wenn ich das richtig anstelle, dann verschwindet dieses vermeintliche Gefühl, eine Frau zu sein. Dann verschwindet das Interesse an BDSM und an all den anderen Dingen.

Das hat natürlich nie funktioniert. Ich habe die Frauen stattdessen nach einer Weile überredet, sich auf BDSM-Spiele mit mir einzulassen.

Im Rückblick weiß ich, wie falsch es war. Wie sehr ich diesen Frauen Schaden zugefügt habe. Auch damals wusste ich schon, dass es falsch war. Aber ich tat es trotzdem. Das sind die schlimmsten Fehler meines Lebens.

Außerdem war es unbefriedigend. Weiterhin wollte eigentlich ich die submissive Frau sein. Nicht der Top in einer SM-Beziehung.

So ging es nun Jahr um Jahr …

Transfeindlichkeit

Ich habe meine Trans*geschlechtlichkeit verdrängt – und eine gewisse Transfeindlichkeit entwickelt. Wahrscheinlich, um die Abwehr meiner eigenen Persönlichkeitsmerkmale zu untermauern. Trans*sein lässt sich einfacher verdrängen, wenn transfeindliche Überzeugungen dabei mithelfen.

Ich frage mich heute, wie oft Transfeindlichkeit darin ihre eigentliche Ursache hat – in einer eigenen verdrängten geschlechtlichen Identität oder in der eigenen Geschlechtsdysphorie? Ich sage nicht, dass das immer die Ursache für Transfeindlichkeit ist, aber in manchen Fällen wahrscheinlich schon.

Es war für mich übrigens nicht ganz einfach, diese Transfeindlichkeit wieder abzulegen. Sie ist tief in mir verwurzelt, ich habe diese Transfeindlichkeit internalisiert.

Unsere Gesellschaft weist eine strukturelle Transfeindlichkeit auf. Wir nehmen transfeindliche (und vor allem transmisogyne) Überzeugungen ganz leicht auf, weil wir ständig damit konfrontiert werden. Und leider verhindert das eigene Trans*sein nicht, dass diese Gedanken in uns wurzeln.

Noch heute ertappe ich mich manchmal bei Gedanken, die eigentlich transfeindlich sind.

Der Weg zum Coming-out

Kurz bevor ich 50 wurde, begann meine Abwehr gegen das „ich bin eine Frau“ zu bröckeln. Ich hatte inzwischen einige Dinge über Trans*sein gelernt, hatte ein paar trans* Personen kennengelernt. Und fand es eigentlich gar nicht mehr so schlimm, wenn Menschen trans* waren. Aber ich natürlich nicht. Nein, ich war nicht trans*. Ich war ein Mann.

Aber wie zuvor erwähnt: Meine Abwehr begann zu bröckeln. Nicht von jetzt auf gleich, aber allmählich.

Ich hatte im April 2018 mit dem Sport Mermaiding begonnen – und aus dem Meermann wurde allmählich eine Meerjungfrau. Im Grunde eine Art Drag Mermaid. Ich fing an, Nagellack in den Farben meines Fischschwanzes zu tragen. Anstelle eines „männlich“ silbernen oder blauen Fischschwanzes kaufte ich mir einen orange Fischschwanz (den Fischschwänzen der Meerjungfrauen in H2O – Plötzlich Meerjungfrau nachempfunden) und schaffte es eines Tages sogar, mit ihm ins Wasser zu gehen (das erste Mal war wirklich eine Überwindung – nun würde doch jeder sehen, dass ich mich als Mädchen fühlte, was ich bis dahin so sehr verbergen wollte). Ich rasierte meinen Bart ab, rasierte meine Körperbehaarung, begann mich fürs Mermaiding sogar zu schminken, Lippenstift zu tragen. Und ich war glücklich. Es war einfach wunderschön. Ich begann mir ein schönes Meerjungfrauen-Top zu wünschen. Ich wollte kein Meermann mehr sein, ich wollte eine echte Meerjungfrau sein.

Einige Zeit später kam dann mein echtes Coming-out als trans Frau. Ich wusste: ich konnte nicht mehr länger vorgeben, ein Mann zu sein. Das war ich nicht. Ich war eine Frau.

Die Drag Mermaid, die glückliche Meerjungfrau, hatte mir die Augen dafür geöffnet, wer ich wirklich bin. Wie glücklich ich war, wenn ich wirklich ich war und nicht länger vorgab, jemand anderes zu sein. Und dass ich endlich so leben wollte.

Und so kam es im November 2018 zu meinem Coming-out.

Nach dem Coming-out

Mit dem Coming-out endeten schlagartig mein Konsum von Pornografie und mein zwanghaftes Masturbieren. Ich hatte einfach kein Interesse mehr daran. Und so ist es seitdem geblieben.

Ich habe eine schwach ausgeprägte masochistische oder eher submissive Neigung (nicht stark genug, um mich tatsächlich als Masochistin zu bezeichnen oder da etwas in die Tat umsetzen zu wollen) – und bin ansonsten asexuell. Mit meiner masochistischen Neigung bin ich versöhnt, weil sie mich die meiste Zeit in Ruhe lässt.

Früher hat BDSM mich beherrscht, mein Denken, mein Fühlen. Ich war eine Gefangene dieser Fantasien und Wünsche.

Heute hat meine masochistische Neigung keine Kontrolle über mich, sie beherrscht weder mein Denken noch mein Fühlen. Sie steht im Hintergrund, hält sich zurück. Sie drängt mich nicht mehr dazu, Pornografie zu konsumieren und zu masturbieren.

Mit meiner Ehefrau bin ich auch nach dem Coming-out immer noch verheiratet – und bin froh, dass BDSM jetzt keine Rolle mehr für mich spielt. Das war für unsere Ehe doch oft belastend.

Und mein Glaube?

Mein Glaube ist nun freier als jemals zuvor. Ich habe als Wahrheit erkannt, dass ich eine Frau bin – und das hat mich dazu befreit, in meiner Beziehung mit Gott neue Wege zu gehen. In meinem Glauben neue Weiten zu erforschen.

Ich spürte recht bald nach dem Coming-out, dass der Taufspruch von 1987 genau das meinte: Die Wahrheit, die ich erkennen musste, war die, dass ich eine Frau bin, eine trans Frau.

Dass Gott mich so geschaffen hat. Ich war nie ein Mann, Gott hat mich nicht als Mann erschaffen, sondern als Frau.

Dass mit mir nichts falsch ist, dass Trans*sein keine Sünde ist, sondern zur Schöpfungsvielfalt gehört. Dass der berühmte Bibelvers „und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde (…) von männlich bis weiblich schuf er sie“ (so eine moderne Übersetzung) die Geschlechtsidentität des Menschen als nichtbinäres Spektrum beschreibt, nicht als Entweder-oder. Die geschlechtliche Vielfalt des Menschen hat ihren Ursprung darin, dass wir nach dem Bild eines Gottes geschaffen sind, der die Vielfalt liebt. Es sollte nicht nur cis Frauen und cis Männer geben, sondern auch nichtbinäre Menschen, trans* Männer und Frauen, inter*geschlechtliche Menschen. Wir alle sind nach dem Bild Gottes geschaffen – und diese Vielfalt erinnert uns daran, von Gott nicht einfältig zu denken.

Als ich diese Wahrheit erkannte, wurde ich befreit zu einem tieferen Glauben, zu einer neuen Beziehung zu Gott. Mein Glaube dreht sich jetzt nicht mehr nur darum: Wie kann ich frei werden. Ich habe entdeckt, dass Gott viel mehr für mich bereithält. Mein Glaube hat an Weite und Tiefe gewonnen.

Es dauerte sehr viele Jahre, die Wahrheit zu erkennen und freizuwerden. Ich habe einfach zu lange an der irrigen Annahme festgehalten, dass Trans*sein falsch ist, eine Sünde ist. Es hat lange gedauert und die Hilfe einer Meerjungfrau gebraucht, um die Wahrheit zu erkennen.

BDSM und der Rest

Im Nachhinein denke ich nicht mehr, dass BDSM Sünde ist. Aber dennoch bin ich froh, dass es für mich praktisch keine Rolle mehr spielt. Ich bin froh, dass mir Pornografie egal ist und ich nicht mehr masturbieren muss.

Ich bin froh, dass mein Coming-out da einen Schlussstrich gezogen hat. Das war unerwartet, nachdem ich so lange – im Prinzip 40 Jahre, eine ganze Wüstenwanderung – erfolglos versucht hatte, davon wegzukommen.

Kurz nach meinem Coming-out als trans* Frau habe ich erkannt, dass ich asexuell bin, dass ich kein Interesse an sexuellen Beziehungen habe. Das hat für mich (und meine Frau) zur Folge, dass ich mit dem Thema romantische Beziehungen und romantische Liebe viel entspannter umgehe. Da ist ganz viel Druck raus, und das ist gut.

Mein Coming-out hat unserer Ehe sehr gutgetan. Ich bin (jedenfalls nach meiner eigenen Überzeugung) eine weit bessere Ehefrau als ich es damals war, als ich noch vorgab, ein Ehemann zu sein.

Die Frauen in meinem Leben waren wohl dazu da, dass ich meine weibliche Identität auf sie projizieren konnte. Durch sie habe ich versucht, meine weibliche Geschlechtsidentität auszudrücken. Das ist nun vorbei. Meine Frau darf endlich immer und jederzeit sie selbst sein und muss nicht mein Bedürfnis, eine Frau zu sein, für mich erfüllen. Sie kann die Frau sein, die sie wirklich ist. Weil ich nun die Frau bin, die ich wirklich bin.


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