Baptist*innen gegen Rechts

Unter der Adresse www.bgr.social habe ich ein neues Projekt gestartet: Baptist*innen gegen Rechts.

Es gibt dazu auch einen Mastodon-Account, @baptist_innen_gegen_rechts@kirche.social.

Warum Baptist*innen gegen Rechts?

Ich bin eine Baptistin gegen Rechts, eine baptistische Antifa

Beides bedeutet nicht, dass ich „linksextrem“ wäre. Ich bin zwar links und Mitglied bei den Grünen, aber vor allem anderen bin ich das, was alle anständigen Menschen sein sollten: Ich bin gegen Rechtsextremismus, ich bin gegen Faschismus.

Ich bin für Demokratie, für Freiheit, für Vielfalt, für Selbstbestimmung und für Gerechtigkeit.

Als Baptistin ist dies in meinem Glauben begründet

Der Baptismus ist für mich ein Glaube, der Freiheit betont. Und weil Rechtsextremismus und Faschismus Freiheit einschränken und behindern und nach Möglichkeit abschaffen, kann ich als Baptistin nur gegen Rechts, gegen Faschismus sein. Sonst würde ich verraten, woran ich glaube.

Der Baptismus ist für mich ein Glaube, der Selbstbestimmung fordert. Wir möchten uns nicht von anderen vorschreiben lassen, wie wir leben sollen. Das gilt zuerst für das Glaubensleben, aber dabei darf es nicht stehen bleiben. Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung, Mündigkeit statt Paternalismus.

Der Baptismus ist für mich ein Glaube, der Vielfalt lebt. Wir sind eine Gemeinschaft mit vielen verschiedenen Menschen und wir glauben, dass alle Menschen bei Gott willkommen sind.

Der Baptismus ist für mich ein Glaube, der Gerechtigkeit liebt. Wir glauben, dass Gott will, dass es gerecht zugeht und niemand bevorzugt oder benachteiligt wird. Das gilt für alle Menschen, auch Frauen, Geflüchtete, Asylbewerber*innen, Armutsbetroffene, Kranke, Behinderte, Queers, Menschen mit Migrationsbiografie und alle anderen. Niemand darf diskriminiert werden.

Der Baptismus ist für mich ein Glaube, der Demokratie bejaht. Wir begrüßen die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und stehen zu den rechtsstaatlichen Prinzipien, wie sie im Grundgesetz festgelegt sind.

Sollten Baptist*innen nicht politisch neutral sein?

Wir Baptist*innen betonen die Trennung von Staat und Kirche, aber das bedeutet nicht, dass wir politisch neutral sein müssten.

Wir haben eine Verantwortung für unsere Mitmenschen, für die Gesellschaft. Wir sollen immer auch politisch aktive Menschen sein, die sich für andere Menschen einsetzen. Das war immer so: Wir haben uns seit jeher für die allgemeine Religionsfreiheit eingesetzt, für die Trennung von Staat und Kirche, damit jeder Mensch seinen Glauben frei von staatlicher Bevormundung leben kann.

Wir Baptist*innen haben während des NS-Regimes nahezu überall versagt und uns nicht für unsere Mitmenschen eingesetzt. Wir haben uns mit dem Nazi-Regime arrangiert.

Das darf sich heute nicht wiederholen, nicht angesichts des Rechtsrucks in unserer Gesellschaft, der Wahlerfolge der sog. AfD und der nach der Merkel-Ära wieder und dabei immer stärker nach rechts rückenden Union, die im Bundestag bereits gemeinsam mit der sog. AfD abstimmt. Nie wieder ist Jetzt.

Zwischen Faschismus und Antifaschismus kann es keine Mitte geben und keine neutrale Position.

Es ist kein Spektrum, sondern ein Entweder-oder. Entweder stehen wir auf der einen oder auf der anderen Seite. Man kann sich hier nicht nicht positionieren. Es gibt keinen Kompromiss. Wer neutral sein will, lässt den Faschismus gewähren und gewinnen. Wer schweigt, stimmt zu.

Antifaschismus ist nicht zwingend links und schon gar nicht mit Linksextremismus gleichzusetzen.

Und selbst wenn:

Hufeisen?

Manche glauben, Rechts- und Linksextremismus seien die beiden äußeren Enden eines Hufeisens und es gäbe eine Mitte, die von beiden Enden gleich weit entfernt wäre, und diese Mitte müsse man einnehmen.

Die Erfahrung zeigt aber: Die sog. „bürgerliche Mitte“ neigt immer mehr dem Rechtsextremismus zu. Sie fürchtet die Linke, weil sie bürgerliche Privilegien bedroht. Weil sie etwa Menschenrechte gleichmäßig verteilen möchte – die „bürgerliche Mitte“ würde sie gerne etwas ungleicher verteilen, mehr Menschenrechte für die einen, weniger Menschenrechte für die anderen (ich sage aus eigener Betroffenheit nur: „Transrechte“ und „Behindertenrechte“).

Ich gehöre als Baptistin zur Antifa.

Damit wir das gleich klären: Es gibt nicht die Antifa. Die Antifa ist keine Organisation, keine Institution. Antifa ist eine Einstellung von Menschen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen und die Gerechtigkeit durch Faschismus bedroht sehen. Jeder anständige Mensch sollte diese Einstellung haben. Antifa bedeutet Anständigkeit.

Antifa bedeutet, sich für Menschenrechte einzusetzen. Antifa bedeutet, sich für gleiche Rechte für alle Menschen einzusetzen.

Wir wollen uns nicht damit zufriedengeben, wenn manche Menschen privilegierter sind als andere. Wir wollen uns nicht damit zufriedengeben, dass es manchen Menschen nur deswegen besser gehen soll, weil sie zufällig in Deutschland aus einer Gebärmutter mit deutschem Pass geboren wurden, weil sie zufällig in eine reiche Familie geboren worden sind, weil sie zufällig mit besseren Chancen ins Leben gestartet sind. Das ist nicht gerecht. Das können wir nicht einfach hinnehmen. Darum sind wir Antifa und stellen uns gegen jene, die diese Ungerechtigkeiten zementieren wollen: Gegen Faschisten, gegen Rechtsextreme, gegen Nazis.

Wir sind für Gerechtigkeit, für Vielfalt, für Freiheit, für Selbstbestimmung, für Demokratie.


Homepage und Kontakt: www.molthagen.de/michaela/